IT&me auf der MuC 2019 in Hamburg

Auf der Mensch und Computer (MuC) 2019 trafen sich unter dem Leitthema “Neue Digitale Realitäten” fast 1.000 Teilnehmer*innen aus Wissenschaft und Wirtschaft. Vom 8. bis 11. September 2019 haben sie sich in Hamburg mit allen Themen rund um die Mensch-Computer-Interaktion befasst. Auch IT&me-Mitarbeiterinnen Monika Pröbster (Hochschule Heilbronn) und  Julia Hermann (SE-Lehrstuhl, UDE) waren mit Beiträgen vor Ort.

Personas und Stereotypisierung

Monika Pröbster während des Vortrags über Persons und Personas

In der Session Research Methodology stellte Monika Pröbster ihr Long Paper Personas and Persons – An Empirical Study on Stereotyping of Personas vor. In dem Paper beschäftigt sie sich mit Personas als grundlegende Methode, mit der Empathie für die Nutzenden einer Software hergestellt werden kann. Allerdings wird der Methode auch nachgesagt, dass sie Stereotypisierungen auslöst oder zumindest begünstigt, zum Beispiel in Hinblick auf Angaben zum Geschlecht, zur ethnischen Zugehörigkeit oder auch bei der Auswahl fotografischer Abbildungen, die für eine Persona verwendet werden. Im Rahmen einer Eye-Tracking-Studie wurde deshalb getestet, wie auf unterschiedliche Darstellungsweisen von Testpersonen reagiert wurde. 93 Studierende erhielten eine identische Persona-Beschreibung mit a) dem Foto einer dunkelhäutigen Frau, b) dem Foto einer hellhäutigen Frau, c) einer Zeichnung (Sketch) oder d) gar keiner Visualisierung.

Das Ergebnis der Studie: Es gibt Zusammenhänge zwischen der Wahrnehmung von Personas und den assoziierten Stereotypisierungsprozessen. Die Forscher*innen konnten feststellen, dass sich „In-Group-Favoritism“ in Bezug auf Geschlecht und kulturellen Hintergrund auch auf die Beurteilung der Persona auswirkte. Neben weiteren Beobachtungen aus der Studie legt dies nahe, dass die Art, wie eine Persona wahrgenommen wird, mit den Eigenschaften der befragten Person variiert. Je nach dem Verhältnis zu dem, was in der Beschreibung der Persona auftaucht, wird auch die Wahrnehmung der Persona subjektiv beeinflusst. Die bildliche Darstellung kann dabei ebenfalls Auswirkungen haben auf eine Stereotypisierung der Persona. Das bedeutet jedoch nicht, dass die Methode unbrauchbar ist, sondern vielmehr, dass die beeinflussenden Faktoren und ihre Auswirkungen auf die Wahrnehmung von Personas noch weiter erforscht und getestet werden müssen.

Partizipation in der Softwareentwicklung – wofür ist sie gut?

Im Workshop Partizipative und sozialverantwortliche Technikentwicklung trafen sich Forscher*innen und Praktiker*innen zu Austausch und Diskussion über die Beteiligung von Nutzer*innen an Technikentwicklungsprozessen. Sie gingen dabei der Frage nach, wie Partizipation dem Anspruch auf Demokratisierung und Empowerment in Forschung und Praxis gerecht werden kann. Im Workshop 2019 wurde außerdem das Gründungsmanifest der Fachgruppe „Partizipation“ im Fachbereich Mensch-Computer-Interaktion (MCI) der Gesellschaft für Informatik (GI) entwickelt. SE-Mitarbeiterin Julia Hermann lieferte im Rahmen des Workshops Impulse zur Diskussion mit ihrem Paper: Welchen Einfluss hat die Partizipation weiblicher IT-Professionals auf den Entwicklungsprozess von IT&me? Darin beschreibt sie, mit welchen Methoden bei der Umsetzung der IT&me-Plattform gearbeitet wurde und welchen Einfluss Partizipation auf die Entwicklung haben kann. “Bisher zeigt sich, dass die Einflussmacht der Nutzerinnen von einer Reihe von Faktoren abhängt, darunter u.a. Konkretisierung der Fragestellung, Homogenität der Rückmeldungen, Nähe zum Entwicklungsteam, technische Realisierbarkeit. Das Bewusstsein darüber, dass diese Faktoren den partizipativen Prozess beeinflussen können, hilft dafür Sorge zu tragen, dass im Team gemeinsam systematisch gegengesteuert werden kann.” (Quelle)


Über die Mensch und Computer

Jeder Mensch ist auf unterschiedliche Weisen Nutzer oder Nutzerin von Computern. Ob im beruflichen, aber auch immer mehr im privaten Bereich – die Frage der Benutzbarkeit spielt eine zentrale Rolle. Die Konferenzreihe “Mensch und Computer” engagiert sich deshalb seit 2001 für den jährlichen Austausch unterschiedlicher Fachgebiete und Praxisfelder der MCI-Community. Die Intention: “Eine ganzheitliche Vision für die zukünftige Entwicklung ist notwendig. Integrierte Gestaltungsansätze müssen neue Lösungen bereitstellen, Marktmechanismen werden die Selektion beeinflussen. Die Entwicklung interaktiver Systeme wird in den größeren Kontext einer nachhaltigen Entwicklung zu stellen sein, in der mit den knappen und wertvollen Ressourcen der Welt schonend umgegangen wird. Bezogen auf die Mensch-Computer-Interaktion und die Kooperation wird es darum gehen müssen, aus einer Analyse der jeweiligen Stärken und Schwächen zu Unterstützungssystemen zu kommen, die die Spielräume für die individuelle und gesellschaftliche Weiterentwicklung erhalten und erweitern.” (Quelle: Aus dem Memorandum Mensch & Computer 2000) Im nächsten Jahr findet die Veranstaltung vom 6.-9. September in Magdeburg statt unter dem Motto Digitaler Wandel im Fluss der Zeit.

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