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Liebe Leserinnen und Leser,

obwohl die Zahl der Informatikstudentinnen steigt, machen weibliche IT-Fachkräfte in der Arbeitswelt laut einer BITKOM-Studie nur 17 % aus. Bei aktuell 82.000 unbesetzten Stellen in der IT – Tendenz steigend – können es sich Unternehmen schlicht nicht leisten, auf gut ausgebildete IT-Expertinnen zu verzichten. Doch obwohl agile Prinzipien mit ihrer kommunikations- und teamorientierten Herangehensweise die strukturelle Basis für mehr Diversität bilden, scheint die IT-Branche nach wie vor überwiegend in Männerhänden zu liegen. Ist die IT-Branche kein Ort für Frauen?

Ein Grund für den geringen Frauenanteil ist, dass Frauen, die in der IT Fuß fassen wollen, oft mit bestehenden Klischeevorstellungen konfrontiert werden. Darüber hinaus werden Frauen und ihre Perspektiven durch ihre Unterrepräsentanz nicht mitgedacht. So entstehen Produkte, die nicht den Anforderungen der (weiblichen) Zielgruppe entsprechen, sondern die unter Vorannahmen umgesetzt wurden. Beispielsweise reproduzieren weibliche virtuelle Assistenten wie Alexa und Siri Rollenwahrnehmungen von Frauen, die sich wiederum als implizite Vorurteile auf Entscheidungen auswirken, sogar auf die Wahl des Berufsbildes. Um das Berufsbild und die Branche neu zu besetzen, müssen wir eine Wirklichkeit schaffen, in der die IT-Branche selbstverständlich (auch) eine Branche für Frauen und für Diversität ist. 

Deshalb ist es umso wichtiger, dass Frauen sich gegenseitig unterstützen und ihre Kompetenzen unabhängig von äußeren Meinungen auf- und ausbauen können. An dieser Stelle setzt das Forschungsprojekt IT&me an. Mit unserer Online-Plattform für Vernetzung und E-Learning geben wir IT-Expertinnen einen Raum, in dem Frau-Sein Normalität ist. Nutzerinnen können sich miteinander vernetzen, gegenseitig (fachlich) unterstützen und ihre Kompetenzen weiter ausbauen oder auffrischen. Wir setzen dabei von Anfang an auf Teilhabe aus der Zielgruppe, zur Anforderungserhebung, für Feedback zu einzelnen Entwicklungsschritten und allgemeinen Erfahrungsaustausch.
 
Unser Newsletter hält sie über die aktuellen Entwicklungen und Ergebnisse aus dem Forschungsprojekt IT&me auf dem Laufenden.

Wenn Sie weiterführende Informationen wünschen oder sich als Testerin oder Unternehmen für die Plattform interessieren, nehmen Sie gerne Kontakt mit uns auf. Wir freuen uns über Ihr Feedback und weitere Impulse!  

Ihr IT&me-Team

Welches Ziel hat das Projekt IT&me?
Ziel des Projekts ist es, IT-Expertinnen einen Raum zu geben, in dem sie ihre beruflichen und privaten Netzwerke auf- und ausbauen können, ohne sich mit Genderstereotypien konfrontiert zu sehen. Auf der E-Learning- und Vernetzungsplattform IT&me können Nutzerinnen ihr Fachwissen miteinander teilen und sich gegenseitig unterstützen. Da besonders Frauen davon betroffen sind, nach Auszeiten wieder in den Beruf zurückzufinden, stellt die Plattform ebenfalls E-Learning-Inhalte rund um die Themen IT und Digitalisierung bereit, zum eigenständigen Weiterbilden. Nutzerinnen können so ihr Wissen auf dem neusten Stand halten – ganz individuell und nach persönlichem Bedarf.Auf persönlichen Profilen können Nutzerinnen der Plattform ihre Kompetenzen und Fortschritte abbilden. Das erleichtert Unternehmen, die auf der Suche nach IT-Fachkräften sind, die passenden Expertinnen direkt über die Plattform IT&me zu kontaktieren. Damit auch Unternehmen das Thema Gendergerechtigkeit aktiv angehen können, entwickeln wir im Rahmen des Projekts Handlungsempfehlungen, die sich einfach in den Unternehmensalltag integrieren lassen.

Prof. Dr. Volker Gruhn
(Universität Duisburg-Essen)


“Mehr Frauen in der IT können Unternehmen bereichern. Sie sind nicht nur wertvolle Arbeitskräfte, sondern beeinflussen das gesamte Arbeitsklima positiv.”

Prof. Dr. Nicola Marsden
(Hochschule Heilbronn)

“Wir wollen mit IT&me keine Stereotypenbildung wiederholen. Vielmehr schaffen wir ein Lernumfeld, in dem Frau-Sein in der IT keine Besonderheit, sondern die Norm ist.”

Prof. Dr. Tobias Brückmann
(CampusLab GmbH)


“Wir arbeiten eng mit den Nutzerinnen zusammen. So können wir didaktische und technische Konzepte ableiten, die genau zu ihren Anforderungen passen.”

Zur Umsetzung
Um unsere Projektziele zu erreichen ist es wichtig, dass wir bisherige Ungleichheiten und Stereotypisierungen nicht wiederholen, sondern Angebote liefern, die zur Zielgruppe passen. Deshalb legen wir großen Wert auf partizipative Methodenund iterative Vorgehensmodelle: Vertreterinnen aus der Zielgruppe werden aktiv in unterschiedliche Entwicklungsphasen eingebunden. Aus ihrem Feedback erheben wir inhaltliche, technische und didaktische Anforderungen, die wir als Basis für die Umsetzung nutzen. Durch die regelmäßige Einbeziehung entsteht am Ende ein Produkt, das aus der Zielgruppe selbst entstanden ist – und nicht über ihre Köpfe hinweg entwickelt wurde. Wie eine Teilnehmerin aus einem Workshop betonte: “Wenn ich das Gefühl habe, es werden nur Stereotypen oder weiße, kurzhaarige Jungs angesprochen, mache ich nicht mit.” Die Lerninhalte auf IT&me bieten deshalb auch dadurch Identifikationsmöglichkeiten für IT-Expertinnen, dass in den Lernvideos und Podcasts gezielt Sprecherinneneingesetzt werden.

Projektverlauf
2019 steht ganz im Zeichen der IT&me-Release-Vorbereitung. Zu den wichtigsten Aufgaben zählte im Vorfeld die Anforderungserhebung. In Workshops und Interviews mit Vertreterinnen aus der Zielgruppe wurden entsprechende Bedürfnisse und Wünsche an die Umsetzung ermittelt. Die Ergebnisse zeigen, dass für künftige Nutzerinnen Geschlecht und Vergeschlechtlichung grundlegende Themen sind, mit denen sie sich im IT-Alltag auseinandersetzen (müssen). Sie wünschen sich deshalb einen Raum, in dem sie Gleichgesinnte mit ähnlichem Erfahrungshorizont finden. Ein Teil ihrer Erfahrungen beruht darauf, als Expertinnen in der IT eine Minderheit zu sein und mit geschlechtsbezogenen Kompetenzzuschreibungen umgehen zu müssen. Die Erfahrungen aus der Zielgruppe haben wir dafür genutzt, um Personas zu erstellen, mit deren Hilfe zielgruppenrelevante User Stories erstellt werden konnten. Auf Basis der User Stories sind die technischen und didaktischen Konzepte für die Plattform entwickelt worden.

Auch nach der grundlegenden Anforderungserhebung entstehen durch regelmäßige Feedbackrunden mit Nutzerinnen neue, immer spezifischere Anforderungen, die in die nächste Entwicklungsrunde integriert werden. So wird der Entwicklungsstand immer wieder in Hinblick auf Kriterien wie Funktionalität, Nutzungserfahrung und Gendergerechtigkeit überprüft und angepasst. Dazu gehört auch, dass wir unsere eigenen Methoden und Arbeitsweisen auf Gendergerechtigkeit hin reflektieren. Wir orientieren uns dabei an bewährten Methoden wie Gender-UseIT – Leitlininen für die Praxis oder dem GERD-Modell.

Bei der didaktischen Konzeption standen lernerzentrierte Methoden im Vordergrund. Seit letztem Jahr ist die Produktion der Lernnuggets in vollem Gange und die Plattform wird Stück für Stück bis zum Release Mitte des Jahres mit E-Learning-Inhalten befüllt.

Mit jedem Sprint nimmt die IT&me-Plattform nun Form an. Der offizielle Launch ist für diesen Monat geplant – wir halten Sie auf dem Laufenden!

Veröffentlichungen

Aus dem Forschungsprojekt sind mehrere wissenschaftliche Veröffentlichungen und Beiträge aus den Bereichen Softwareentwicklung, Gender und E-Learning entstanden. Eine Auswahl aus den aktuellen Beiträgen:



Eine vollständige Liste der bisherigen Veröffentlichungen finden Sie unter Veröffentlichungenauf unserer Webseite.

Termine
Auch 2019 sind wir wieder auf Tagungen, Veranstaltungen und Konferenzen unterwegs, um Ergebnisse zu präsentieren und vor allem den Dialog mit IT-Expertinnen und Unternehmen zu intensivieren. Hinweise zu aktuellen und Berichte zu vergangenen Veranstaltungen finden Sie auf unserer Webseite www.itandme.de. Wir freuen uns auf viele angeregte Diskussionen und Impulse für unser Projekt!

Wenn Sie an Vorträgen oder Workshops zu unseren Themen interessiert sind oder weitere Informationen wünschen, sprechen Sie uns gern persönlich an.

Sie sind IT-Expertin und interessieren sich für die Möglichkeiten unserer Plattform?

Dann nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Wir informieren Sie über Funktionen und Inhalte der IT&me-Plattform. Sie können außerdem bereits vor der offiziellen Veröffentlichung als Beta-Testerin die Entwicklung unterstützen.

Sie sind ein Unternehmen und sind auf der Suche nach IT-Expertinnen?

Wir unterstützen sie dabei, Diversität und Gendergerechtigkeit in Ihren Unternehmensalltag zu integrieren und sich als Arbeitgeber für IT-Expertinnen attraktiv zu machen. Sprechen Sie uns dazu einfach an!

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