Newsletter #4

Liebe Leserinnen und Leser,
über 3 Jahre haben wir uns im Rahmen unseres Forschungsprojekts IT&me der Frage gewidmet, wie Frauen in der IT-Branche (wieder) Fuß fassen können. Mit dieser Fragestellung sind wir direkt an die Zielgruppe herangetreten und konnten so aus erster Hand partizipativ ermitteln, welche Lösungen sinnvoll sind. Im weiteren Prozess entwickelten wir im ständigen Dialog mit Vertreterinnen der Zielgruppe als Lösungsidee eine Plattform für E-Learning und Vernetzung, auf der Frauen sich auf ihrem beruflichen Weg unterstützen, fachliche Expertise teilen und eigenständig weiterbilden können. Die Inhalte zur Weiterbildung wurden dabei so aufbereitet, dass sie auch zwischen Home-Office und Home-Schooling passen. Die Plattform IT&me ist als frei verfügbares Projektergebnis Ende 2019 online gegangen. Bisher ist sie ein deutschlandweit einmaliges Angebot speziell für Frauen in der IT-Branche; und in der aktuellen Situation vielleicht noch notwendiger als von uns zu Beginn des Projekts vorhergesehen.

Als letzten Projektschritt haben wir jetzt auch Handlungsempfehlungen für Unternehmen realisiert, um Themen wie gendersensible Softwareentwicklung Schritt für Schritt in den Projektalltag übernehmen zu können. Die 2 entwickelten Karten-Sets sind aufgeteilt in Methoden für gendersensible Softwareentwicklung und aktivierende Diskussionsfragen zu Themen wie “Frauen in der IT”. Diese Handlungsempfehlungen werden über unsere Plattform itand.me unter “Lerneinheiten” kostenlos zum Download bereitgestellt und können in Projektbesprechungen oder Team-Meetings eingesetzt werden.

Sie können die Plattform auch über das Projektende hinaus weiterhin nutzen, auf die Lerninhalte zugreifen und sich untereinander vernetzen. Je aktiver Sie sind, desto mehr lohnt es sich für alle.

Wir wünschen Ihnen alles Gute für Ihre berufliche Weiterentwicklung. Bleiben Sie aktiv und gesund!

Ihr IT&me-Team

Rückblick

Ein Ziel von IT&me war es, auf jeder Ebene der Umsetzung ein positives Vorbild von und für Frauen in der IT zu erzeugen. Das bedeutete auch, dass wir innerhalb des Teams sehr genau diskutiert haben, welche Bestandteile notwendig sind, um dieses Vorbild liefern zu können. Um nicht in eine i-Methodology zu verfallen, bei der eigene Biases und Meinungen sich über die Anforderungen der eigentlichen Zielgruppe stellen, wurden Methoden der partizipativen Entwicklung als Grundlage ausgewählt.

Partizipative Entwicklung als Baustein gendersensibler Entwicklung

Beteiligung ist ein wichtiger Aspekt bei der Umsetzung von Zielen der Gleichberechtigung. Vor allem im sich schnell wandelnden IT-Sektor ist Beteiligung elementar, um auch aus gesellschaftlichen Entwicklungen nicht ausgeschlossen zu werden. Im Rahmen des Forschungsprojekts IT&me haben wir deshalb großen Wert darauf gelegt, Vertreterinnen der Zielgruppe regelmäßig und fortlaufend an Konzeption und Entwicklung zu beteiligen und die Anforderungen immer wieder an ihr Feedback anzugleichen. Das betraf sowohl technische Fragestellungen wie auch Bewertungen von Funktionalität und generellen Einstellungen gegenüber Themen wie Vernetzung, Lebenslanges Lernen oder Digitale Transformation. Aus den Angaben wurden Personas abgeleitet, fiktive Nutzerinnen, auf deren Grundlage Aufbau, Inhalt und Funktionen der Plattform entwickelt wurden. Der regelmäßige Austausch mit der Zielgruppe half dabei, die Personas „lebendig“ zu halten und iterativ zu erweitern und zu spezifizieren. Zusätzlich wurden durch Reflektionsmethoden wie dem GERD-Modell und Cognitive Walkthroughs mit speziellem Fokus auf eine Genderperspektive auch Zwischenergebnisse im Team reflektiert und kritisch hinterfragt. Ein Vorteil dabei war die diverse Zusammensetzung unseres Teams, sowohl bezogen auf fachliche Vielfalt als auch mit Blick auf ein ausgeglichenes Verhältnis von Männern und Frauen.

Lebenslanges Lernen in kleinen Einheiten

Für die didaktische Umsetzung ergaben sich aus den Umfragen unterschiedliche Anforderungen. Einerseits wollten Nutzerinnen ad-hoc-Lösungen für konkrete Probleme in der Arbeitssituation angeboten bekommen, andererseits sollten zusammenhängende Lernpfade dabei unterstützen, übergeordnete Themen zielgerichtet und umfassender durchzuarbeiten. Wichtig für alle Nutzungsarten: dass die Inhalte von kurzem Umfang sind (Learning Nuggets) und damit in jede Alltagssituation passen. Eine Aufbereitung in unterschiedlichen Medienformaten (Text, Video, Audio) berücksichtigt zusätzlich situationsspezifische wie auch persönliche Lernvorlieben. Um auch hier die Genderperspektive aufzunehmen, wurden alle Learning-Nuggets-Einheiten gendersensibel umgesetzt: Audiospuren wurden von Sprecherinnen eingesprochen, Ansprache und Text entsprechen einer gendersensiblen Sprache und auch in den visuellen Elementen wurde darauf geachtet, stereotypische Abbildungen wie Icons von Frauen zu vermeiden, die auffällig verniedlicht dargestellt sind.

Gendersensible Entwicklung für Unternehmen

Nutzerinnen können sich seit Ende 2019 kostenlos auf der Plattform anmelden und alle Inhalte nutzen. Doch eine nachhaltige Gleichberechtigung braucht auch berufliche Umfelder, in denen als erster Schritt eine Sensibilität gegenüber dem Thema geschaffen wird. Deshalb war ein Ziel von IT&me auch, aus den Ergebnissen Handlungsempfehlungen abzuleiten, mit denen Unternehmen ihre Mitarbeiter*innen spielerisch aufmerksam machen und sensibilisieren können. Die IT&me-Methoden- und Aktivierungskarten stehen allen Nutzerinnen auf der Plattform zum Download bereit.

Sie haben noch weitere Fragen zum Projekt? Kontaktieren Sie uns!

Weitere Hinweise und Informationen finden Sie hier auf unserer Webseite. Wir freuen uns auch weiterhin über Diskussionen und Impulse für unser Projekt!

Wenn Sie an Vorträgen oder Workshops zu unseren Themen interessiert sind oder weitere Informationen wünschen, sprechen Sie uns gern persönlich an.

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